Roth&Effinger unterstützt Folding@Home-Team

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Grüner Strom für starke Rechner: Firma unterstützt Folding@Home-Team aus der Region beim Aufstieg in die Weltranglisten-Spitze

 

– Team von Hans-Jürgen Götz aus Brigachtal schafft es unter die besten 1000 Rechenteams weltweit
– Firma Roth&Effinger aus Brigachtal spendiert den Ökostrom und bietet Unterschlupf für Turbo-Rechner

 

Schwarzwald-Baar – Was als Hobby begann, entwickelt sich langsam zum Leistungssport. Hans-Jürgen Götz aus Brigachtal hat zu Beginn der Corona-Krise damit angefangen, seine privaten Computer für die Corona-Forschung rechnen zu lassen. Folding@Home heißt das Projekt der Universität Stanford in Amerika. Das Prinzip ist einfach. Computer auf der ganzen Welt berechnen kleine Datenpakete und schicken ihre Ergebnisse via Internet zurück an die Forschungseinrichtung. Berechnet werden dabei Daten, die für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen für gleich mehrere Krankheiten hilfreich sein sollen, unter anderem Corona. Die gesamte Rechenleistung von Folding@Home ist bereits größer, als die der schnellsten Supercomputer auf der ganzen Welt. Das klappt nur, weil mehrere Millionen Computerbesitzer mitmachen. Die ehrenamtlichen Unterstützer messen sich dabei gerne in Ranglisten.

Die Statistik zeigt: Für das Rechenteam aus der Region geht es steil bergauf. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Rechenfieber: Dieser Wettkampfcharakter hat auch Götz infiziert, und er hat schnell Mitstreiter aus Familie, Freunden und Bekannten zusammengetrommelt. Seine Gruppe – mehrere Teilnehmer können sich zu Teams zusammenschließen – hat sich in der weltweiten Rangliste schnell auf Platz 3000 nach oben gearbeitet (wir berichteten). Bei nunmehr rund 250.000 Teams war bereits dieser Platz ein beachtlicher Erfolg.

Optimierung: „Danach hat man jedoch gemerkt, dass die Luft dünner wird“, erzählt Götz. Die relativ kleine Gruppe mit rund 20 Mitgliedern hatte es immer schwerer, sich gegen die großen Mitspieler namenhafter Firmen, Medienunternehmen und Online-Communties durchzusetzen, die durch ihre Bekanntheit deutlich mehr Unterstützer rekrutieren konnten. Ohne die gezielte Optimierung der Rechnerleistung waren Verbesserungen in der Tabelle kaum noch möglich, zu hoch die Konkurrenz. Doch diese Herausforderung nahmen die Leistungs-Rechner aus dem Schwarzwald gerne an. Götz und seine Mitstreiter hielten Ausschau nach nicht mehr benötigten Grafikkarten und anderen Bauteilen, um weitere Computer zusammenzuschrauben, die dann, rund um die Uhr, in den Dienst von Folding@Home gestellt wurden.

Vor allem die Grafikeinheiten seien dabei interessant, erklärt Sascha Klinnert, der sich in der Gruppe um die Einstellung dieser Komponenten kümmert. „Die eignen sich perfekt für die Berechnung der Datenpakete.“ Taktraten, Temperaturen und Spannungen müssen für maximale Rechenleistung austariert werden. „Die Karten sollten nicht heißer als 60 bis 70 Grad werden“, weiß der Villinger. Dabei profitiert er von seinem Wissen aus seinem Bitcoin-Hobby. Die Berechnung virtueller Währungen beruht nämlich auf dem selben Prinzip.

Sascha Klinnert aus Villingen wartet die Team-Rechner. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Stomsponsor: Nach und nach wuchs die Rechenleistung des Teams so erneut an. allerdings ist so viel Rechenpower ist auf Dauer nicht billig.
Zwei Euro pro Hochleistungscomputer und Tag kalkulieren Götz und Klinnert. Die meisten Rechner sind zudem mit zwei Grafikkarten bestückt, was für Normalnutzer völlig überflüssig ist.
Alleine Götz hat mehrere Computer am Laufen. An dieser Stelle kommen nun die Brigachtaler Unternehmer Lars Roth und Gebhard Effinger ins Spiel. Sie boten dem Team-Götz kostenlosen Unterschlupf für stromhungrige Prozessoren an. Gesagt, getan: Zwei Team-Computer werkeln seither rund um die Uhr im Keller der Firma.

Stromkosten fallen hier nicht so sehr ins Gewicht, wie am heimischen Stromzähler. „Unsere Anlagen für Laserschneiden haben Leistungsaufnahmen von bis zu 65 Kilowattstunden“, rechnet Roth vor. Das ist über vierzig Mal so viel, wie Computer verschlingen. „Und der Strom wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft produziert.“ Umweltaspekte seien Menschen heute viel bewusster. Kunden würden zunehmend auf einen geringen ökologischen Fußabdruck in der Produktion bestehen. Dies, gepaart mit eigener Überzeugung, hätte in der Firma den Ausschlag für den etwas teureren Stromtarif gegeben. Sollten weitere Rechner im Firmenkeller dazukommen, sei das kein Problem. „Wir unterstützen gerne so eine gute Sache“, so Roth.

Aufstieg: „Jetzt ist es in meinem Büro auch nicht mehr so heiß“, verrät Klinnert einen weiteren Vorteil. Über das Internet können die Teammitglieder dennoch auf die Computer in der Firma zugreifen und diese fernsteuern. In der Weltrangliste geht es seither wieder schneller bergauf. Platz 1000 ist liegt seit dieser Woche hinter ihnen. Wie lange dieser Lauf bis zum nächsten Leistungslimit anhält, ist noch nicht ganz absehbar. Götzs stärkster Rechner steht immer noch bei ihm zuhause am Arbeitsplatz. Mit ihm hat er sich in der Einzelwertung bis unter die besten 10.000 Nutzer hochgerechnet.

Mitmachen: Die Team-Mitglieder hoffen nun auf weitere Unterstützer, um vielleicht, irgendwann, auch in den zweistelligen Bereich der Weltrangliste vorzudringen. Wer bei Folding@Home mitmachen möchte, kann sich das kostenlose Programm auf der Internetseite www.foldingathome.org herunterladen. Dem Schwarzwald-Baar-Team mit der Nummer 250626 beitreten kann man, indem diese Zahl in den Einstellungen hinterlegt wird.

// Südkurier-Artikel vom 8.7.2020 von Jens Fröhlich / Fotos: Jens Fröhlich. Hans-Jürgen Götz //

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